Adieu Tristesse

Gedanken, Bilder - über Mode, das Leben und so vieles mehr.

overdressed - underdressed

Kann man eigentlich wirklich zu schön angezogen sein?

Sich schön zu kleiden zeigt wie sehr man sich selbst und andere achtet.

Kleidung ist immer ein Statement


04. Dezember 2018





MENSCHEN ANZIEHEN / Lucia Klatil war beim kleidertausch dabei

Zuerst erschienen auf dem Blog von Lucia Klatil - Danke, dass wir Deinen feinen Text auch hier zeigen dürfen!


26.November 2018


Ich war nie weg und doch verschollen! Für alle, die mich vermisst haben: Ich bin wieder voll der Worte, die sich in meinem Kopf zu - hoffentlich - ganzen Sätzen formen mögen! Heute und jetzt sind meine Erinnerungen und Gedanken einem kleinen, feinen, fast exklusiven Event gewidmet, bei dem ich am vergangenen Freitag, nach Job, einer Einheit Fitness-Boxen (wird im Gesundheitszentrum meines Dienstgebers angeboten), einer Kennenlernrunde mit einem Personal-Trainer (der, oh Schreck, halb so alt ist wie ich und mich - deswegen? - gleich zu athletisch-anstrengenden Ausdauer-Übungen vergattert hat) und nach einer (1) Stunde "Ich-helfe-Ordnung-schaffen-Runde" in der Pfarrkanzlei, zu Gast war.

Der Ort - eine Wohnung in einer ruhigen Seitengasse im 15.Bezirk.

Die Gastgeberin - Alexandra, die erkennen kann, welcher Farbtyp du bist.

Die Gäste - 18 Frauen, bunt gemischt, Wiederholungstäterinnen und Novizinnen.

Mein "Geschenk" - verpackt in einem silbergrauen, mittelgroßen Koffer.

Um Punkt 19:00 Uhr stand ich vor der Türe, etwas außer Atem, weil sich der doch etwas schwere Koffer auf der gut 3 Kilometer langen Strecke, noch dazu leicht bergauf, gegen meinen - wie immer - eher sportlichen Geh-Lauf zu wehren versuchte. Dann noch ohne Lift ins 2.Obergeschoß hinauf - ich muss nicht betonen, dass der Begrüßungsprosecco sehr willkommen war!

Die Stimmung: ungezwungen, fröhlich, erwartungsvoll und etwas ungeduldig.

Um 19:30 wurden dann allen nochmals die Spielregeln erklärt: Du zeigst und beschreibst, was du mitgebracht hast, kannst je nach theatralischer Veranlagung auch eine Story dazu erzählen. Kleidergrößen sind tabu, ausgenommen bei Schuhen. Diejenige, die das Teil haben will, macht sich mit lauter Stimme oder mit Handzeichen bemerkbar und bekommt die "Beute" zugeworfen - Achtung: es stehen Gläser auf den Tischen! Diejenige, die sich auch dafür interessiert, aber zu langsam war, bekommt die "Tanzkarte", dh wenn´s der ersten dann doch nicht gefällt oder passt, ist die zweite dran. Was keine Anwärterin findet, landet in der Mitte des Raums auf einer Decke und wird am Schluss der Veranstaltung, wenn nach einer finalen Wühlrunde alle zufrieden heim gegangen sind, einer gemeinnützigen Vereinigung gespendet. Diejenige, die das letzte Stück der Präsentantin ergattert hat, ist dann mit ihren Gaben dran.

Ich hatte mich für dieses Event angemeldet, weil ich wieder Luft in meinen Kleiderschrank bringen wollte (und musste!). Daher stand für mich die Neugierde, das Beobachten und der Spaß im Vordergrund und nicht so sehr die Gier. Ich muss aber anerkennend betonen, dass das, was aus den Koffern und Riesen-Taschen der anderen Damen, gezogen wurde, durchwegs mehr Niveau hatte, als das, was ich bisweilen auf den eher großangelegten Kleidertausch-Parties angetroffen hatte.

Mich hat´s gefreut, wenn sich eine der anderen Frauen gefreut hat. Lustig war vor allem, dass einige der Teilnehmerinnen eine Farbberatung hinter sich hatten und daher ganz gezielt "Ich" schrieen. Eine war offenbar versessen auf alles, was einem Herbsttyp mehr Glanz verschafft, eine andere hatte echtes Glück, weil so viele Shirts, Röcke, Jacken, ... in einem Lila-Violett-Aubergine-Farbton angeboten wurden.

Mein erstes "Ich!" galt einem kleinen orangen Herzen aus Speckstein, das auf Bodo´s Schreibtisch seinen Platz gefunden hat.

Daraufhin durfte ich dann meinen Koffer öffnen - und kam, ehrlich gesagt, gar nicht dazu, meine vorbereiteten Kurzstories zu erzählen, so schnell hatten die einzelnen Teile eine neue Besitzerin gefunden! Es war mir ja auch wichtig, nur gute, fesche, interessante Kleidungsstücke mitzubringen - schließlich wollte ich mich als "Neuling" nicht blamieren! Einzig das Paar Stiefeletten, mit sehr, sehr hohem Absatz, von mir noch nie getragen, weil eine Nummer zu klein (das war noch vor meiner Hallux-OP, also, als ich dumm und dümmer war), kam nach diesem unterhaltsamen Abend wieder mit nach Hause.

Bei allen Damen wurde aus dem "Ich-bin-alles-losgeworden!" bald wieder "Da-ist-mein-Kleiderschrank-jetzt-aber-wieder-voll!".

Und bei mir? Spät, aber doch, sagte ich dann "Ich!" zu einem SCHWARZEN schmalen, überknielangen Rock mit Gummibund, zu zwei SCHWARZEN lang geschnittenen Oberteilen, mal kurz-, mal langärmelig, mit Schlitz und einem SCHWARZEN Trägertop (gut geeignet als Untendrunter oder fürs Yoga). - Uihhh! Und das, obwohl ich ja auch ein Herbsttyp bin, ein gedämpfter sogar! Ich hoffe, Alexandra drückt hier ihre Augen zu! Die schwarze Tunika, die ich am Abend trug, fand sie jedenfalls toll ...

Ein lustiger Abend, ich habe viel gelacht und nette Frauen kennengelernt, auch wenn ich mir nicht alle Namen merken konnte - aber ich nehme an, es wird ein Wiedersehen geben - spätestens dann, wenn mein Kleiderschrank wieder auf Diät gesetzt werden muss!



beauty


06.November 2018




"Ugly Chic" - wollen wir das wirklich?

einige meiner vielen Gedanken, die mich lange schon beschäftigen


11.Oktober 2018


Meine Lieben,

ich habe soeben beschlossen, diesmal einen ganz anderen Newsletter an Euch zu senden, auch auf die Gefahr hin, dass sich einige von Euch davon abmelden.

 

Ich sitze mit dieser Aufgabe jedes Mal vor meinem Laptop und überlege, was ich Euch sagen möchte - und halte mich zurück, denn das, was ich zu sagen habe, ist heftig.

 

Als ich meine Arbeit begann, war ich beseelt von der Vision Menschen zu zeigen, wie schön sie sind. Ihnen zu vermitteln, welche Kleidung richtig gut passt und zu sehen, wie diese Veränderung ihre Körper aufrichtet und sie sicher werden lässt. Wie gut das Menschen bekommt, wenn sie ihre Besonderheit entdecken.

Nun bin ich an einem Punkt, wo ich daran zweifle, ob das überhaupt Sinn macht, denn wenn ich durch die Straßen gehe, traue ich meinen Augen nicht: 

lasche Körper schleppen sich in schlecht sitzenden Klamotten - oft viel zu eng und viel zu kurz -  aus billig scheinenden Materialien und schmutzigen Schuhen arrogant durch die Gegend.

 

Ist es das, was wir unter Freiheit verstehen? Da wollten wir hin?

 

Wollen wir zeigen, wie unwichtig wir uns selbst sind? Oder wie unabhängig wir sind? Oder haben wir das Gefühl, drüber zu stehen? Ist das cool? 

Ich empfinde das mittlerweile als Zumutung sich selbst und anderen gegenüber.

Wie achtlos sind wir geworden? 

Was ist das für eine Haltung?

Wie gehen wir mit unseren Körpern um?

Wie gehen wir mit den Ressourcen um?

Was ist aus uns geworden?

Das Straßenbild ist der Spiegel unsere Gesellschaft! 

Gut, wir sind zum Glück frei, zu tun was wir wollen - aber wieso machen wir uns absichtlich hässlicher als wir sind? Warum quetschen wir uns in Kleidung, um eine bestimmte Größe zu "sein"? Warum tragen wir Materialien, die unsere Haut nicht atmen lässt? Warum zwängen wir uns in Kleidung, die nicht auf unseren Körper passt?

Was wollen wir damit erreichen? 

 

Der neueste Trend heisst "Ugly Chic" - Ihr dürft raten, was von der Modeindustrie danach als Gegenbewegung propagiert wird. 

Und warum sind wir so gierig geworden? Warum meinen wir, so viel zu brauchen? Ist es Angst, die sich in unseren Wohlstand eingeschlichen hat? Das Ziel ist, möglichst viel für wenig Geld zu bekommen - ehrlich? Das kann nicht funktionieren! Billig bleibt billig. Schlechtes Material und schlechte Produktion. Was bleibt, sind die Müllberge in unseren Kleiderschränken. Wofür?

Kleidung kann uns schützen, wärmen und unsere Persönlichkeit erkennen lassen. Sie fungiert als nonverbale Übersetzung unserer Werte, Vorlieben und Eigenschaften. Sie macht uns sichtbar!

 

Ihr habt die Wahl!

Alles Liebe,

Alex 



BILDER

Mode ist ein geniales, facettenreiches Mittel um sich selbst, seine Werte und seine Würde auszudrücken


01. Oktober 2018